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Vestibül, Enfilade, Boudoir

Was diese Begriffe bedeuten und warum sie heute noch relevant sind

Einige Begriffe aus der Baugeschichte tauchen immer wieder auf: in Exposés, in Architekturgesprächen, in hochwertigen Projekten. Was genau dahintersteckt, erklärt sich selten von selbst.

Vestibül und Entrée

Das Vestibül ist der repräsentative Eingangsraum: ein gestalteter Übergangsbereich, der Orientierung gibt und den Charakter des Hauses beim ersten Schritt vermittelt, bevor ein Wort gesprochen wird. In gründerzeitlichen Villen oft großzügig geschnitten, mit Stuck, Marmor oder aufwendigem Boden. Das Entrée ist die funktionalere Variante desselben Gedankens: bewusst gestalteter Übergang von außen nach innen, mit Garderobe, Sitzgelegenheit und Orientierung. Die Schnittstelle zwischen dem Öffentlichen und dem Privaten.

Enfilade und Dégagement

Die Enfilade beschreibt eine Raumfolge, bei der Türen so aufeinander abgestimmt sind, dass beim Durchschreiten ein Blick in die Tiefe entsteht. Ein Raumgefühl, das mit modernen Grundrissen kaum noch zu erreichen ist. Das Dégagement ist ein Übergangsraum, der Funktionszonen verbindet, ohne sie direkt zu verknüpfen. Er wahrt Privatsphäre, ohne zu trennen.

Annex und Boudoir

Der Annex ist ein funktional angegliederter Anbau, im modernen Wohnbau als Gästezimmer, Büro oder Einliegerwohnung ein flexibles Instrument. Das Boudoir war der private Rückzugsraum, historisch für adlige Damen, heute für besonders gestaltete Schlaf- oder Ankleidebereiche. Die Grundidee ist dieselbe: ein Raum, der ausschließlich der Person gehört, die darin wohnt.

Wer diese Begriffe kennt, liest Grundrisse mit anderen Augen. Das ist alles, was hier gemeint ist.